Waldkindergarten "nebenan" ermöglicht ausgefallenes Praktikum

Hier Naylas Bericht:

IMG 2282Von meiner Schule aus habe ich ein Praktikum gemacht, und ich hatte mich dafür entschieden, dieses im Waldkindergarten Kunkheide Ankum zu absolvieren. Können kleine Kinder eigentlich den ganzen Tag draußen im Wald verbringen? Wie kommen sie mit dem Wetter klar? Ist es nicht zu kalt und nass? Wo sind dort Toiletten? Was spielen die Kinder? Ich hatte recht viele Fragen im Gepäck...

Am ersten Tag war ich wirklich angespannt, da die Arbeit mit Kindern auch schwierig sein kann. Doch die Erzieher/innen Datti, Claudia und Martin sind sehr herzliche Menschen. Sie haben mir direkt die Angst genommen und gesagt, dass ich nichts falsch machen kann. Das hat mir viel Mut gemacht.

Ich bin kurz vor 8 Uhr losgefahren und in ein kleines Waldstück gegangen, wo Claudia und Datti schon gewartet haben. Dort habe ich mich noch einmal gründlich vorgestellt. Kurz darauf kamen nach und nach die Kinder an. Sie waren alle sehr aufgeregt und neugierig und haben sofort gefragt, wer ich bin. Als fast alle Kinder da waren, sind wir gemeinsam durch den Wald zum Bauwagen gegangen. Das hat mich überrascht. Der Wald war wirklich sehr schön, und auch das „Grundstück“ des Kindergartens hat mir gut gefallen. Es gab einen Bauwagen am Rand, einen Sandkasten links davon und eine Jurte auf der rechten Seite.

IMG 2264Da es an dem Tag ziemlich kalt war (kälter als 5 Grad), sind wir zuerst alle in den gemütlichen Bauwagen gegangen und haben einen Morgenkreis gebildet. Dort wurde das sogenannte „Tageskind“ bestimmt. Dieses Kind durfte entscheiden, wohin wir gehen und welche Spiele wir spielen. Am Anfang war ich etwas verwirrt, aber im Laufe des Morgenkreises habe ich alles verstanden. Danach haben wir ein Kennenlernspiel gespielt, damit ich mir die Namen der Kinder besser merken konnte. Anschließend begann das Frühstück. Die Taschen wurden herumgegeben, sodass jedes Kind seine Brotdose herausnehmen konnte. Nachdem alle fertig waren, durften die Kinder kurz spielen.

Ich bin dabei durch den Bauwagen gegangen und habe beobachtet, was die Kinder spielen. Danach sind wir nach draußen zum „Adlernest“ gegangen, einem Spielort im Wald, den die Kinder selbst entdeckt haben. Auf dem Weg dorthin habe ich gelernt, dass die Kinder im Wald vorauslaufen dürfen, solange sie in Sichtweite bleiben oder bis sie an eine Kreuzung kommen. Gegen 11:30 Uhr sind wir zurückgegangen, und der Abschlusskreis begann. Diesmal haben sich alle in die Jurte gesetzt, da es inzwischen wärmer geworden war. Wir haben Spiele gespielt, zum Beispiel „Bello Bello, dein Knochen ist weg“, oder zusammen gesungen.

Schließlich wurden Obst und Gemüse verteilt, und der Tag wurde gemeinsam reflektiert. Jedes Kind durfte erzählen, was ihm am besten gefallen hat. Anschließend durften die Kinder draußen spielen. Es war wirklich schön zu sehen, wie gut sie miteinander auskommen. Da die Gruppe nur aus 14 Kindern besteht, wirkt alles sehr familiär, und die Kinder werden nicht überfordert.

IMG 2257Die Kinder sind es gewohnt, den ganzen Vormittag draußen zu verbringen. Sie sind entsprechend angezogen und fast immer in Bewegung. Bei Regen können alle im Bauwagen oder in der Jurte Platz finden. Bei heftigem Sturm muss das Waldgelände aus Sicherheitsgründen verlassen werden. Oft geht es dann auf das gegenüberliegende Feld. Es gibt eine kleine Toilette direkt am Bauwagen, ebenso ein kleines Waschbecken. Da es kein fließendes Wasser gibt, muss für das Händewaschen ein Wasserbehälter per Hand bedient werden, der passend zum Bedarf Wasser ablässt. So lernen die Kinder von Anfang an, sparsam mit Wasser umzugehen. 

Die Woche ist sehr schnell vergangen, und ich war wirklich traurig, als sie vorbei war. Ich habe alle Kinder sehr liebgewonnen. Sie waren alle freundlich und wollten gerne mit mir spielen. Am schönsten an meinem Praktikum fand ich den Kindergarten selbst, weil ich mir sicher bin, dass ich mich ohne diese Erfahrung vielleicht gar nicht für diesen Beruf interessieren würde. Zum Schluss ist mir auch aufgefallen, dass ich mir gewünscht hätte, selbst in so einen Kindergarten gegangen zu sein – auch wenn es ihn erst seit 2022 gibt. Ich kann diesen Kindergarten allen Eltern wirklich ans Herz legen.

 Text/Fotos: Pohlmann, Klasse 8b